Käse, Tulpen, Wohnwagen – Ihr ahnt vielleicht schon, um welches Land es diesmal geht: die Niederlande. So viele Klischees uns Deutschen typischerweise einfallen, so ausgeklügelt, klar strukturiert, aber auch komplex ist das Ausbildungssystem unserer Nachbarn. Dank eines modularen Aufbaus ist dieses sehr durchlässig. Das heißt, es ist leichter zwischen den einzelnen Bildungsgängen zu wechseln. Wie das genau funktioniert, könnt ihr im neuen Teil unserer Serie „Andere Länder, andere Lehre“ lesen. Falls ihr den Artikel über Österreich noch nicht gelesen habt, dann könnt ihr das hier tun.

In den Niederlanden können sich Schüler zwischen rund 300 Ausbildungsgänge in der mittleren Berufsausbildung (auf Niederländisch „Middelbaar Beroepsonderwijs“) entscheiden. Die Niederländer können außerdem zwischen zwei Formen der Berufsausbildung wählen. Die erste Variante ist der berufsausbildende Lernweg („beroepsopleidende leerweg“). Das ist eine vollzeitschulische Ausbildung. Dabei gehen die Azubis in regionale Ausbildungszentren oder branchenbezogene Fachschulen. Das praktische Lernen liegt zwischen 20 und höchstens 60 Prozent und wird mit Praktika abgedeckt. Die zweite Variante ist der berufsbegleitende Lernweg („beroepsbegeleidende leerweg“) und ähnelt am ehesten unserem dualen Ausbildungssystem. Die Azubis lernen mindestens 60 Prozent praktisch im Betrieb.

To The Next Level

Die Niederlande unterscheiden Berufe anhand vier „Niveaus“, die die berufliche Qualifikation beschreiben. Für jedes Niveau gibt es einen passenden Ausbildungsgang. Um einen Abschluss in einem der Niveaus zu erreichen, dauert es zwischen einem halben und vier Jahren. Die Niveaus sind eingeteilt in die „Assistentenausbildung“, die „Basisberufsausbildung“, die „berufliche Fachausbildung“ und die „Ausbildung für das mittlere Management“. Das Ganze könnt ihr euch auf der Seite des Info-Portals für ausländische Berufsqualifikationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Finanzen noch einmal genauer nachlesen.

Die Azubis legen während ihrer Ausbildung mehrere Prüfungen in „zertifizierbaren Qualifizierungseinheiten“ („certificeerbare eenheden“) ab. Sie werden also schrittweise in ihrem Lern- und Fähigkeitenstatus getestet. Die Ausbildung schließt mit dem „Diploma Beroepsonderwijs“ ab, das Zeugnis der Berufsausbildung. Haben die Azubis ein Niveau geschafft, qualifizieren sie sich für das nächsthöhere – das geht dann immer so weiter. Der Abschluss in Niveau 4 berechtigt dann sogar zum Studium an einer Fachhochschule und von dort aus, könnte es noch weitergehen und ein Hochschulabschluss gemacht werden.

 

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