Mit dem Brexit will Großbritannien zwar weg von Europa, dennoch liegt die Insel natürlich noch quasi vor der Tür – Grund genug, sich auch mal das britische Ausbildungssystem in unserer Serie „Andere Länder, andere Lehre“ anzugucken. Aber Achtung: Die Ausbildung läuft ganz anders als bei uns!

Zu Großbritannien gehören die Länder England, Schottland, Wales und Nordirland. Die Berufsbildung ist dort dezentral organisiert. Jedes Land entscheidet so ein bisschen selbst, wie ausgebildet wird – in etwa so wie sich bei uns die Bundesländer um die Schulbildung kümmern. In allen vier Ländern gelten aber einheitliche Standards für Abschlussprüfungen, die natürlich für einen Berufsabschluss bestanden werden müssen.

Ein vergleichbares duales Ausbildungssystem wie in Deutschland existiert dabei nicht. Vielmehr ist die Berufsbildung eine Kombination aus schulischen Formen sowie fach- und berufsbezogenen Zertifikaten. Allerdings gibt es in der britischen Politik Bestrebungen, die praktische Ausbildung in Betrieben voranzutreiben.

Einen Abschluss bauen

In „Great Britain“ bieten mehrere Institutionen berufliche Bildungsgänge an. Darunter sind weiterführende staatliche Schulen, private Anbieter und diverse Arbeitgeber. Die Briten werden hauptsächlich vollzeitschulisch, also theoretisch ausgebildet. Berufe werden in Modulen erlernt und mit Zertifikaten über die Berufsqualifikation abgeschlossen. Die Module lassen sich dann quasi nach dem Baukastenprinzip zu einem Berufsabschluss zusammensetzen. Außerdem gibt es für jede Berufsrichtung mehrere Schwierigkeitsstufen, auf Englisch heißen sie „Level“. Eine Liste aller Level könnt ihr euch im Info-Portal der britischen Regierung anschauen und dabei merken, dass das System ganz schön komplex ist.

Erste Versuche zur dualen Ausbildung

Inzwischen haben sich erste betriebliche Ausbildungen etabliert, in denen die Praxis mehr im Vordergrund steht. Die Jugendlichen sind während dieser „Apprenticeship“ an einem Tag pro Woche in der Schule. Die restliche Zeit wird praktisch im Betrieb gelernt. Meist dauern die Ausbildungen ein bis zwei Jahre und werden auf drei Level angeboten. So richtig vergleichbar mit der dualen Ausbildung in Deutschland ist das System aber noch nicht. Für ein ähnliches Niveau wie bei uns müsstet ihr in England ein mindestens zwei Jahre andauerndes Apprenticeship plus ein zusätzliches Zertifikat der Berufsqualifikation auf Level 3 machen. Momentan sind weitere Reformen in der beruflichen Bildung geplant, unter anderem um die Apprenticeship auszuweiten.

Eigeninitiative ist gefragt

Ausbildung in Großbritannien kann ganz schön kompliziert sein. Dort ist es entscheidend, welche Kenntnisse und Kompetenzen ein Arbeitnehmer besitzt, die nicht zwangsläufig auf einen bestimmten Ausbildungsberuf beschränkt sein müssen. Wenn ihr überlegt, einen Teil eurer Ausbildung in Großbritannien zu machen, informiert euch unbedingt genau bei eurem Unternehmen, den Auslandshandelskammern oder den Bildungseinrichtungen darüber, was möglich ist und was in Deutschland anerkannt wird.

 

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