Unser Nachbarland, die Schweiz, hebt sich gerne mal vom Rest Europas ab: Nicht in der EU, kein Euro. Die Schweiz bleibt sich treu. Aber das Land, in dem es vier offizielle Amtssprachen gibt – Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch – hat eine Sache auf jeden Fall mit uns gemeinsam: In der Schweiz gibt es eine duale Ausbildung. Und wie das dort funktioniert, verraten wir euch unserer Serie „Andere Länder, andere Lehre“.

Der Einstieg in die Arbeitswelt führt in der Schweiz häufig über die duale Ausbildung. Nach den neun Pflichtschuljahren entscheiden sich laut Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation zwei Drittel der Jugendlichen für eine berufliche Grundbildung. Die Schweizer können zwischen rund 230 Ausbildungsberufen wählen. Sie lernen praktisch im Betrieb und in der Berufsschule dann die Theorie, also dual, wie ihr das auch aus Deutschland kennt. Wem das nicht genug ist, der kann parallel überbetriebliche Kurse in Fachzentren belegen.

Es gibt zwei Varianten der schweizer dualen Ausbildung. Der Unterschied liegt vor allem in der jeweiligen Länge. Die zweijährige berufliche Grundbildung schließt mit dem „eidgenössischem Berufsattest“ ab. Diese Form wird von vielen praktisch begabten Jugendlichen gewählt und führt nach kurzer Zeit in den Beruf. Wer möchte, kann sich damit auch für eine weitere Ausbildung qualifizieren. Die zweite Form ist die drei- bis vierjährige berufliche Grundbildung, die zum „eidgenössischem Fähigkeitszeugnis“ (EFZ) führt. Damit qualifizieren sich Jugendliche für einen bestimmten Beruf. 2014 machten laut dem Bundesamt für Statistik Schweiz 61.128 Auszubildenden einen EFZ-Abschluss. Die drei beliebtesten Ausbildungsberufe sind übrigens der Kaufmann/-frau, der Detailhandelsfachmann/-frau und der Fachmann/-frau für Gesundheit. Interessant ist, dass der EFZ-Abschluss den Weg zu einem Studium ebnet. Wer möchte kann nach der Ausbildung eine weitere Prüfung, die „Eidgenössische Berufsmaturität“, ablegen. Damit wird den Azubis der prüfungsfreie Zugang zu einem Studium an einer Fachhochschule ermöglicht. Mit einer weiteren Ergänzungsprüfung können sie sogar an allen Hochschulen oder Universitäten studieren.

Dies ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Schweizer Berufsbildungssystems: Es baut stark aufeinander auf. Irgendwo existiert immer eine Weiterbildungsmöglichkeit oder es lassen sich bisher erbrachte Leistungen anrechnen, um den nächsthöheren Abschluss zu machen.

Wer mehr über die Vielfalt der Schweizer Ausbildung erfahren will, kann sich auf der Seite des Info-Portals für ausländische Berufsqualifikationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Finanzen schlau machen.

Falls ihr wissen wollt, wie die Ausbildung in den Niederlanden funktioniert, lest ihr einfach unseren Blogbeitrag dazu.

 

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