Ganz nah dran und doch so verschieden: Die Dänen haben sich ein völlig eigenes Ausbildungssystem einfallen lassen. Mit unserer Serie „Andere Länder, andere Lehre“ geht’s zu unseren Nachbarn in den Norden nach Dänemark.

Die Dänen halten zusammen, zumindest in der Schule. Die dänischen Schüler gehen neun bis zehn Jahre gemeinsam in den Unterricht. Erst danach entscheiden sie sich für ihren weiteren Bildungsweg. Entweder sie gehen dann aufs Gymnasium oder sie beginnen eine Berufsausbildung.

Die modulare Ausbildung in Dänemark ist zweigeteilt. Zuerst belegen die Azubis für etwa ein Jahr ein vollzeitschulisches Basisprogramm, das in zwölf Fachbereiche aufgeteilt ist. Die Spanne reicht von Medien, Handel, Kundendienst über Gesundheit, Pflege, Pädagogik bis Bau, Produktion, Logistik und mehr. Die Jugendlichen lernen einige Grundlagen und fächerübergreifende Inhalte, belegen Wahlfächer und Einführungskurse. Die Ausbildung lässt sich somit ziemlich flexibel gestalten. Ist das geschafft, geht es mit dem dualen Hauptprogramm weiter.

„Mehr Praxis, bitte!“

Vielleicht kennt ihr das auch, die Theorie kann manchmal etwas trocken sein. Wer lieber praktisch lernt, kann seit 2006 eine sogenannte „Neue Lehre“ beginnen. Hierbei kann ein praxisorientierter Einstieg gewählt werden. Konkret bedeutet das, dass die Azubis für etwa ein Jahr ein Praktikum in einem Unternehmen machen. Die anschließende praktische Prüfung berechtigt dann ebenfalls für das Hauptprogramm.

Echt lange Ausbildung

Je nachdem wie die Azubis die Basis abgeschlossen haben, gestaltet sich die Folgeausbildung. Bevor die Azubis mit dem Hauptprogramm loslegen, brauchen sie allerdings einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb oder einer Berufsschule. Dort lernen sie dann noch einmal für drei bis vier Jahre. Insgesamt kann die komplette Ausbildung also bis zu fünfeinhalb Jahre dauern!

Am Ausbildungsende steht auch bei den Dänen die Abschlussprüfung an. Die Azubis werden in Theorie und Praxis geprüft und wenn sie sich gut machen, erhalten sie einen „Uddannelsesbevis“ – einen Ausbildungsnachweis. Dann sind sie startklar für das Berufsleben.

Viele Möglichkeiten nach der Lehre

Doch es gibt noch mehr. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung können die Dänen studieren gehen. Der Abschluss berechtigt, einen berufsbezogenen Bachelor zu machen oder eine Berufsakademie zu besuchen. Wer sich nicht auf ein bestimmtes Berufsfeld festlegen möchte, kann während seiner Ausbildungszeit eine besondere Ausbildungsvariante wählen. Das Programm „EUX“ kombiniert die berufliche mit einer höheren Sekundärbildung. Konkret bedeutet das, die Azubis können mit ihrer Ausbildung gleichzeitig ihr Abitur machen. Mit diesem Abschluss sind sie nicht auf ein berufsbezogenes Studium festgelegt, sondern können an einer Universität studieren, was sie mögen.

 

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