Im internationalen Vergleich wird das deutsche Ausbildungssystem häufig als vorbildlich gelobt. Wie aber sieht die berufliche Ausbildung in anderen Ländern überhaupt aus? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie „Andere Länder, andere Lehre“ auf den Grund. Den Anfang macht unser Nachbar Österreich.

Wie in vielen Dingen, ist Österreich uns auch in Sachen Ausbildung ähnlich: In Österreich gibt es ein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland, das die meisten von Euch auseigener Erfahrung kennen. Dabei verbringt der Azubi einen Ausbildungsteil in einem Unternehmen, einen Teil absolviert er in der Berufsschule: Was für uns ganz normal erscheint, ist im europäischen Vergleich allerdings gar nicht selbstverständlich: Neben Deutschland und Österreich haben nur noch die Schweiz, Süd-Tirol in Italien und im deutschsprachigen Teil Belgiens ein vergleichbares duales Ausbildungssystem. Eine Übersicht des durchaus nicht ganz einfachen Systems liefert das Info-Portal für ausländische Berufsqualifikationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Finanzen.

Entscheidung mit 14

In Österreich stellt sich die Frage „Was will ich werden?“ nach der achten Klasse. Dann können sich Schüler entscheiden, ob sie zur Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) gehen wollen, die auf die Matura, das österreichische Abitur vorbereitet, oder, ob sie eine berufsbildende Ausbildung machen. Auch wenn sie sich direkt für eine Berufsausbildung entscheiden, müssen sie noch das neunte und letzte Pflichtschuljahr machen. Das machen die meisten an einer berufsvorbereitenden Polytechnischen Schule. Dort lernen sie berufliche Fachbereiche kennen, besuchen Betriebe und sammeln erste Praxiserfahrung. Gezielte Berufsorientierung also. Insgesamt gibt es etwa 220 Lehrberufe in Österreich.

Ist das Jahr geschafft, geht’s los mit der Lehrlingsausbildung. Und hier wird’s dann wieder ähnlich. Eine Ausbildung dauert meist zwei bis vier, üblicherweise aber drei Jahre. Die typische, österreichische Lehre ist sehr praktisch, rund 80 Prozent ihrer Ausbildungszeit verbringen die Azubis im Betrieb. Die restliche Zeit gehen sie zur Berufsschule.

Ausbildung und Abitur in Einem

Eine echte Besonderheit ist die Doppelqualifizierung. Auszubildende haben in Österreich die Möglichkeit, eine Berufsreifeprüfung zu machen – parallel zur Lehre. Mit der Berufsmatura können sie, nach abgeschlossener Lehre und bestandener Prüfung, an einer Universität oder Fachhochschule studieren.

Damit muss der Bildungsweg aber noch nicht beendet sein – Österreich bietet weitere interessante Wege zum Beruf. Nach der achten Klasse können Schüler zum Beispiel eine berufsbildende höhere Schule (BHS) besuchen. Dort erhalten sie eine berufliche Ausbildung in verschiedenen Fachbereichen wie Maschinenbau, Tourismus oder Elektrotechnik. Außerdem legen sie ihre Reifeprüfung, also das Abitur, ab. Danach können die Österreicher also direkt in den Beruf starten oder noch ein Studium aufnehmen. Das Ganze dauert insgesamt fünf Jahre. Aber diese Form ist nicht so praktisch sondern eher schulisch gestaltet. Für Praxisbegeisterte eignet sich also eher die klassische duale Lehre.