Im besten Fall kommt es während deiner Ausbildung weder zwischen dir und deinen Kollegen, noch zwischen dir und deinem Chef oder Vorgesetzten zu Streitigkeiten. Leider ist das Leben bekanntlich aber nicht immer so einfach. Im Berufsleben treffen in der Regel viele verschiedene Charaktere aufeinander. Gerade als Auszubildender muss man schauen, dass man hier seinen Platz findet, sich gleichzeitig dabei aber gegenüber seinen Kollegen immer respektvoll verhält.

Kommt es dennoch mal zu Schwierigkeiten während der Ausbildung gibt es verschiedene Möglichkeiten wie du damit umgehen kannst.

Reden ist Gold

 Als aller erstes ist eine gute Kommunikation das A und O. Das heißt versuche bei welchem Problem auch immer, mit deinem Ausbilder zu sprechen. Nur wenn du aussprichst, was dich beschäftigt, kann hierfür eine Lösung gefunden werden. Achte dabei darauf dein Problem nicht wertend oder mahnend vorzutragen, wie zum Beispiel „Sie haben aber…“, besser ist eine Ich-Formulierung, also zum Beispiel „Ich habe das Gefühl, dass….“. Bei der Lösungsfindung solltest du offen für Kompromisse sein, denn in der Regel ist es so, dass eine Lösung mit einer Änderung einhergeht. Bleibt alles beim Alten, dann ändert sich in der Regel auch nichts. Versuche also möglichst frühzeitig das Gespräch zu suchen, bevor die Lage für dich irgendwann vielleicht gefühlt aussichtslos wird.

Generell ist es in der Ausbildung wichtig die Möglichkeit für einen regelmäßigen Austausch zu haben. Du könntest bei deinem Ausbilder zum Beispiel anregen, dass ihr regelmäßig  Gesprächstermine vereinbart, um über den aktuellen Stand der Ausbildung, deine Arbeit und mögliche Schwierigkeiten zu sprechen. Respekt und Vertrauen zwischen Ausbilder und Azubi sind dabei zwei unglaublich wichtige Faktoren für den positiven Verlauf einer Ausbildung.

Solltest du aus irgendwelchen Gründen Hemmungen haben dich an deinen Ausbilder bzw. Vorgesetzten zu wenden, kann dein Klassenlehrer in der Berufsschule eine gute Anlaufstelle sein. Dieser hat wahrscheinlich schon viele Erfahrungen zum Thema Ausbildung gesammelt und kann dir Tipps geben oder dich gegeben falls an weitere nützliche Ansprechpartner verweisen.

 

Ausbildungsberatung der IHK

Auch die Ausbildungsberater der IHK können ein wertvoller Ansprechpartner sein. Gerade wenn du Fragen rechtlicher Art zu deiner Ausbildung hast, kannst du diese hierzu kontaktieren. Du bekommst bei der IHK dann zunächst eine neutrale Rechtberatung, diese kann auch anonym erfolgen. Den für dich richtigen Ansprechpartner bei der IHK findest du in einer Übersicht, die sich im Klassenbuch in deiner Berufsschulklasse befindet oder auf der Homepage der IHK.

Auch wenn es einen Konflikt zwischen dir und deinem Ausbilder gibt, kannst du dich an deinen Ausbildungsberater wenden.  Wenn du möchtest, kann dieser beide Seiten kontaktieren und zu einem klärenden Gespräch einladen. Natürlich passiert nichts ohne deine Einwilligung, der Ausbildungsberater hat eine Schweigepflicht und wendet sich nur an deinen Ausbilder, wenn du das auch ausdrücklich möchtest.

 

Projekt VerA – Stark durch die Ausbildung

Das Projekt Vera unterstützt Jugendliche in der Ausbildung, wenn Schwierigkeiten in unterschiedlicher Form auftauchen. Das können eine Überforderung mit dem Schulstoff, Probleme im persönlichen Umfeld, aber auch Streitigkeiten im Betrieb und weitere sein. Im Rahmen des Projekts bekommst du einen persönlichen Ausbildungsbegleiter bzw. eine persönliche Ausbildungsbegleiterin zur Seite, mit dem/der du gemeinsam Ziele und Wege der Begleitung definieren kannst. Die Ausbildungsbegleiter, mit denen man sich regelmäßig trifft, sind erfahrene Frauen und Männer im Ruhestand, die über jahrzehntelange Lebens- und Berufserfahrung verfügen. Das tolle an dem Projekt ist, das es ehrenamtlich, individuell, kostenlos und von jedem abrufbar ist. Weiter Informationen zum Projekt findest du hier.

 

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)

Liegen deine Schwierigkeiten in der Berufsschule, also hast du entweder Probleme dem Unterricht zu folgen, kommst mit den Stoff nicht klar oder schreibst schlechte Noten, kannst du die sogenannten Ausbildungsbegleitenden Hilfen von der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen.  An mindestens drei Stunden die Woche erhältst du hier die persönliche Unterstützung, die du brauchst. Das kann Nachhilfe in Theorie und Praxis sein, Hilfe bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten oder Prüfungen, aber auch Nachhilfe in Deutsch sein. Im Auftrag der Agentur für Arbeit unterstützen und begleiten die Mitarbeiter von Bildungsträgern hierbei individuell. Dabei entstehen weder für dich noch für deinen Betrieb kosten. Wenn du in diesem Bereich einen Bedarf hast meldest du dich am besten bei deinem Berufsberater der Agentur für Arbeit. Weitere Informationen findest du auf der Seite der Agentur für Arbeit.

 

Schlichtungsausschuss

Ist die Lage schon ernster und es droht eine Kündigung oder die Kündigung wurde bereits ausgesprochen, kann auch der Schlichtungsausschuss der IHK in den Einsatz kommen. Dieser wurde zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen Ausbildenden und Auszubildenden aus einem bestehenden Berufsausbildungsverhältnis errichtet und muss einer Klage in jedem Fall vorausgehen.

Bei den meisten Schlichtungsverhandlungen geht es um die vorzeitige Beendigung der Ausbildung durch Kündigung des Betriebs. In diesen Fällen wendet sich der gekündigte Auszubildende an den Schlichtungsausschuss und bittet nach einer Verhandlung. Generell kann der Schlichtungsausschuss aber von beiden Vertragsparteien angerufen werden. In seltenen Fällen ruft deshalb auch der Betrieb den Schlichtungsausschuss bei Kündigung durch den Auszubildenden an.

In der IHK Bielefeld werden jährlich ca. 40 Schlichtungsverhandlungen durchgeführt. Ansprechpartner für das Thema Schlichtungen bei der IHK ist der Ausbildungsberater Maik Scholz-Gutknecht, er hat in den letzten Jahren schon eine Vielzahl von Schlichtungsverhandlungen begleitet. Seiner Erfahrung nach finden die allermeisten Schlichtungen aufgrund von Kündigung des Auszubildenden durch den Betrieb statt. Die Kündigungen werden dabei meist wegen Pflichtverletzungen des Auszubildenden ausgesprochen. Zu diesen Pflichtverletzungen gehören unter anderem unentschuldigtes Fehlen im Betrieb oder in der Berufsschule, respektloses Verhalten gegenüber Kollegen, Ausbildern oder Vorgesetzten sowie Ablehnung der Führung des Berichtshefts. Da jeder Azubi neben Rechten natürlich auch Pflichten hat, die im Berufsausbildungsvertrag vereinbart wurden, kann so ein Verhalten zur Kündigung führen.

Auf die Frage wie man solche Kündigungen verhindern könnte sagt Maik Scholz-Gutknecht, durch frühzeitige Kommunikation, rechtszeitiges einholen von Informationen sowie bestenfalls einem Gespräch zwischen dem Ausbildungsberater der IHK, dem Azubi und dem Ausbilder. Auf diese Weise haben beide Seiten die Möglichkeit ihren Standpunkt darstellen, dies führe gelegentlich schon zur Erkenntnis bzw. zu Verständnis auf der anderen Seite. Laut Maik Scholz-Gutknecht melden sich die meisten Azubis bei der Ausbildungsberatung der IHK, weil Sie das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden. Hier kann eine rechtliche Beratung durch einen Ausbildungsberater zur Klärung verhelfen, diese kann selbstverständlich auch anonym erfolgen.

 

 

Insgesamt wird also deutlich, dass es verschiedenen Anlaufstellen bei Schwierigkeiten während der Ausbildung gibt. Niemand sollte sich scheuen, diese auch in Anspruch zu nehmen. Dabei ist es wichtig sich frühzeitig zu informieren und die Schwierigkeit in Angriff zu nehmen!