Die Wirtschaft kann schnelllebig sein, die Zusammenhänge ziemlich kompliziert. Bricht einer Firma ein großer Kunde weg oder werden Rechnungen nicht bezahlt, kann die Existenz eines Unternehmens auch schon mal schnell auf der Kippe stehen. Im schlimmsten Fall muss der Betrieb dichtgemacht werden. Was dann?

Droht Deinem Ausbildungsbetrieb die Insolvenz, ändert sich grundsätzlich für Dich als Auszubildenden erstmal nichts. Wenn der Betrieb vorerst weitergeht, erhältst Du weiterhin Deine Ausbildungsvergütung und bist auch weiterhin verpflichtet, Deinen Aufgaben nachzukommen. Dazu gehört selbstverständlich auch, im Betrieb zu erscheinen und Deine Arbeitskraft anzubieten. Einfach zu Hause bleiben („weil der Laden ja eh bald pleite geht“) ist ein Kündigungsgrund!

Angenommen, der Betrieb geht erstmal normal weiter und man legt Dir eine Kündigung vor: hier ist erstmal Vorsicht angesagt. Unterschreibe erstmal nichts, ohne Dir fachlichen Rat geholt zu haben. Es kommt vor, dass Arbeitgeber oder Insolvenzverwalter (das ist jemand, der die Geschäfte eines insolventen Betriebes übergangsweise übernimmt, ausgestattet mit bestimmten Sonderrechten) versuchen, durch Aufhebungsverträge oder ähnliche Vereinbarungen einen Vorteil zu erlangen. Setze Dich also mit einem Fachmann, beispielsweise einem Rechtsberater, in Verbindung und bespreche Dein weiteres Vorgehen mit ihm.

Achtung, hier etwas Fachgeplänkel: Eine drohende Insolvenz ist erstmal kein Kündigungsgrund, der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (eine Insolvenz muss bei einem Gericht beantragt werden) auch nicht. Auch die Eröffnung der Insolvenz oder die Bestellung eines Insolvenzverwalters rechtfertigen eine Kündigung ebenfalls nicht; erst wenn der Betrieb stillgelegt wird, also nicht mehr gearbeitet wird, kann man Dir kündigen, und das sogar fristlos. In dem Fall wird die Ausbildung so oder so hinfällig, da ja keine Ausbildungsinhalte mehr vermittelt werden können.

Was nun? Melde Dich möglichst zügig bei uns und bei der Agentur für Arbeit. Letztere kann Dir finanziell etwas unter die Arme greifen, und der für Dich zuständige IHK-Ausbildungsberater kann versuchen, Dich in einen anderen Betrieb zu vermitteln. Und wende Dich auch an Deinen (Noch-)Chef; er ist zwar nicht verpflichtet Dir einen Ausbildungsplatz in einem anderen Unternehmen zu organisieren, aber vielleicht ist er ja so nett und tut es doch.

Natürlich ist es alles andere als schön, wenn der Ausbildungsbetrieb pleite geht, es ist aber auch nicht das Ende der Welt. Behalte einen kühlen Kopf, falsch wäre es abzuwarten und zu schauen, was passiert. Wende Dich frühzeitig an die genannten Stellen, und man hilft Dir weiter.